TT: Radler wollen sicher ins Mittelgebirge kommen

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.09.2018

Radler wollen sicher ins Mittelgebirge kommen

Die Stadt stellt sich im Jahr der Rad-WM als besonders radfreundlich dar. Dass man mit dem Rad nicht unbedingt sicher in jeden Stadtteil kommt, ist eine andere Sache und wird von der Bevölkerung immer wieder kritisiert. Zuletzt wandte sich ein Innsbrucker Familienvater mit einem Brief an Bürgermeister Georg Willi und schilderte seinen vergeblichen Versuch, mit Rad und Kinderanhänger nach Igls zu gelangen. „Wir sind gescheitert“, meint der Familienvater gegenüber der TT. Im Wald war kein Fortkommen möglich. Und die verkehrsreiche Igler Straße ist für Radfahrer mit Kinderanhänger schlicht zu gefährlich. Sein Lösungsvorschlag: ein geeigneter Radweg durch den Wald.

Tatsächlich gibt es Überlegungen von Seiten der Stadt, das östliche Mittelgebirge besser für Radfahrer zu erschließen. Im September findet auf Einladung von Willi ein Bürgermeistertreffen satt, bei dem mit einem externen Planer die Rad-Infrastruktur besprochen werden soll. Die zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl möchte „die Radrouten hinauf ins Mittelgebirge generell vorantreiben“.

Es rumort auch im westlichen Mittelgebirge. Wolfgang Raudaschl, Gemeinderat in Natters, ärgert sich über die langsame Umsetzung von Projekten: „Wenn man schaut, was alles am Radwegsektor im Großraum Innsbruck tatsächlich umgesetzt wurde, ist man gleich fertig.“ Ihm ist die Radroute Mutters — Natters — Innsbruck ein Anliegen. Bei dem schon geplanten Projekt soll der Gehsteig entlang der Brenner-Bundesstraße von der Tankstelle bis zum Fußgängerübergang auf einer Länge von 300 Metern verbreitet und im Anschluss bis zum Sonnenburgerhof ein Rad- und Gehweg errichtet werden. Wie er warnt, „ist das Radfahren auf diesem Abschnitt derzeit eine Herausforderung und äußerst gefährlich“.

Die Stadt prüft unterdessen gerade, ob ein Radweg über die Ferrariwiese nach Innsbruck möglich wäre. Unterm Strich haben Projekte im Talboden, die dem Berufsverkehr dienen, noch Vorrang. „Aber wir haben das Mittelgebirge raderschließungsmäßig auf der Agenda und werden den Schwung der Rad-WM mitnehmen, damit sich Land und auch Bund und EU an solchen Projekten beteiligen“, heißt es im Büro von Uschi Schwarzl.

Die Kosten für diverse Routen werden stets aufgeteilt. Ein Kilometer neuer Radweg kostet etwa 50.000 Euro. Eine aktuelle Erhebung im westlichen Mittelgebirge ergab einen Anteil des Radfahrverkehrs von drei Prozent. Wo kein Weg, da kein Rad. (strosa)

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