TT: Wirbel um illegale Downhill-Route in Igls

Tiroler Tageszeitung, Ausgabe 8.5.2020:

Wirbel um illegale Downhill-Route in Igls: Verstärkte Kontrollen gefordert

Agrar-Obmann Karl Zimmermann fordert verstärkte Kontrollen von Sportlern, die Verbote ignorieren. Die Stadt setzt auf Aufklärung. Kein Bike-Transport in Kofel-Bahn.

Innsbruck – Die Nutzungskonflikte mit Downhillern und Mountainbikern, die verbotenerweise im Bereich Paschberg und Lanser Kopf südlich von Innsbruck unterwegs sind, haben sich zuletzt zugespitzt (die TT berichtete). Doch auch im Igler Wald habe sich die Situation heuer deutlich verschärft, berichtet Karl Zimmermann, Obmann der Agrargemeinschaft Waldinteressentschaft Igls: Die illegale Downhill-Route führe von der Endstation der Buslinie J bei der Talstation der neuen Patscherkofelbahn bis zum südlichen Rand des Igler Siedlungsgebietes am Kurweg – danach weiter über das Viller Moor, Lans und den Paschberg in die Stadt.

Die Sportler wüssten um ihre Anonymität, wenn er sie anspreche, stoße er vielfach auf Unverständnis, sagt Zimmermann, der eine „Sisyphusarbeit“ beklagt: „Wenn wir illegal errichtete Schanzenanlagen entfernen, werden gleich wieder neue gebaut. Verbotsschilder – die gar nicht nötig wären, weil das Fahren prinzipiell nur auf ausgewiesenen Radwegen erlaubt ist –, werden zum Teil abgebaut.“ Der Wald als Lebens- und Rückzugsraum für Tiere leide, Bäume würden oft an den Wurzeln beschädigt.

Zimmermann hat Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP) darum gebeten, die verstärkten Kontrollen durch die Mobile Überwachungsgruppe MÜG auf Igls auszuweiten. Er schlägt vor, die Downhiller direkt beim Aussteigen aus der Buslinie J auf die Rechtslage hinzuweisen – oder den Biketransport im J oder der Tramlinie 6 zu untersagen. Auch eine Kennzeichenpflicht für Radfahrer würde helfen, glaubt Zimmermann. Gegen die Schaffung einer legalen Downhillstrecke am Paschberg spreche hingegen nichts – dort ist aber bekanntlich die Situation mit den Grundbesitzern komplex.

Vize-BM Anzengruber will vor allem aufklären statt strafen: Dazu bereite man einen Flyer vor, der über die Gesetzeslage, die Bedeutung von Schutzwald und Weidewirtschaft etc. informieren soll. Dieser soll in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Hungerburg- und Nordkettenbahn, auf den Almen oder an den Unis verteilt werden, Hinweise auf den Info-Bildschirmen in den Öffis sollen folgen.

Am Mittwoch hat Anzengruber mit Vertretern der Bike-Community über deren Anliegen gesprochen. „Wichtig zur Entlastung von Wald und Naherholungsraum wäre etwa ein Pumptrack in Stadtnähe, inklusive Angeboten für Familien.“ Mögliche Standorte müsse man sich erst gemeinsam anschauen. Was zusätzliche Angebote angeht, müsse man aber auch über die Stadtgrenzen hinaus denken, das südöstliche Mittelgebirge, Rum oder Zirl einbeziehen. Kartierungen, wie man sie derzeit auf der Nordkette vornehme, könnten helfen.

Eine regionale Mountainbike- und Downhillstrategie haben zuletzt ja auch die Innsbrucker NEOS eingefordert. Um die Gesamtsituation zu „entzerren“, seien u. a. auch neue Angebote im Bereich Patscherkofel und Glungezer anzudenken. Was den Kofel angeht, dürfte die Schaffung von Downhillstrecken aber kaum möglich sein: Zur Errichtung der neuen Patscherkofelbahn, die sich ja fast ausschließlich auf Fremdgrund bewege, seien Dienstbarkeitsverträge mit den Agrargemeinschaften abgeschlossen worden, erklärt GF Adrian Egger (Patscherkofelbahn). Damals hätten diese auch hineinverhandelt, dass Bike-Transporte in der neuen Patscherkofelbahn grundsätzlich ausgeschlossen sind. Eine Mountainbikeroute besteht am Kofel zwar sehr wohl – für Downhiller wird es dort aber wohl auch zukünftig keine Angebote geben. (md)

Beitragsfoto: Foto von form PxHere

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